'La Bottiglia' zu Besuch

Weinbau-Revolution im Kanton Zürich?
Dort, wo Töss und Rhein zusammenfliessen, in Teufen bei Freienstein, trafen wir kürzlich den eigenwilligen Weinmacher Peter Stucki in seinem Element, seinem einzigartigen, kleinen Weinkeller.
"Zwei Flüss rot" heisst einer von Stuckis Klasse Pinot Noir bescheiden. Ein Wein mit Erfolg und Resonanz in unserem Sortiment...
Peter Stucki hat neue, aufmüpfige Ideen – und setzt diese auch noch zielbewusst in seinem Weinbaubetrieb um! Träumer, Spinner oder Visionär? ...

Mit stuckiwein.ch arbeiten wir seit ein paar Jahren gut und gerne zusammen. Zürcher Landweine, deren Stil wir mögen... und auch bei unseren Gastro- und LadenKundInnen gut ankommen.  
   
Von der Tössegg, wo Töss und Rhein zusammenfliessen, ist es nicht weit ins Dorf Teufen bei Freienstein.
Das Bauernhaus der Familie Stucki liegt an der Hauptstrasse zum Irchel hin. Hier leben Peter und Karin mit ihren beiden Töchtern seit einigen Jahren. Auch ein paar kleine, freilaufende Schweinchen hinter dem Haus haben Familienanschluss.
Im ehemaligen Stall und Scheune ist der frisch umgebaute Weinkeller eingerichtet - und einen kleinen Hof-Laden mit "Holderemoscht", Schweinswürstchen undund gibt es auch.

Vom neu praktizierten Naturwuchs-System hat Peter am Telefon schon mit Begeisterung erzählt und auf Stuckis Homepage ist etwas darüber zu lesen. Wir möchten heute gerne mehr erfahren und uns auch besser kennenlernen.
 
   
Es regnet, und in den Reblagen ist im Februar sowieso wenig zu sehen - ausser Stuckis Schafen (Bild habe ich von stuckiwein.ch entlehnt).  
   
Peter Stucki ist der "Göttibueb" vom legendären Werner Stucki, der vor 30 Jahren mit seinen Portico-Weinen (und ein paar anderen zugewanderten Weinoptimierern) den Tessiner Merlot revolutioniert hat. Nachhaltig! Peter verfügt über eine ähnliche Energie, scheint mir, wie sein Onkel: Kompromisslos, stets engagiert, konzentriert, sehr sympathisch und überaus professionell.
Peter führt uns durch sein Reich, den Weinkeller und gibt auf alle Fragen geduldig Antwort. Ein erfahrener, bewusst steuernder Kellermeister. Nicht zwingend immer so bei Biowinzern...
 
   
Alle 13er Weine in Barriquen, auch alle Weissen - doch eher ungewöhnlich für diese Gegend...
 
   
Alle Chromstahl-Behälter sind Mitte Februar leer.  
   
Keller und Wohnhaus über Jahre liebevoll umgebaut und eingerichtet. Respekt, viel Arbeit - und doch auch schon Ecken die farbig und fertig wirken.  
   
Peter ist gelernter Getränke-Technologe mit breiter Berufserfahrung. Früher einfach Moster genannt. Er verfügt über ein fundiertes Wissen, arbeitet gerne im Keller, das spürt man sofort. Ein eigenständiger, kreativer Macher.  
   
   
   
Stucki stellt sich immer wieder neue Fragen, versucht Zusammenhänge neu zu sehen, experimentiert einfach gerne und vertritt seine eigenständigen Positionen mit Überzeugung, provoziert gerne AHA-Erlebnisse.  
   
Im Keller hat Peter Stucki seinen Stil sicher gefunden und hat erfreulichen Erfolg damit.
Seine Lohnkelterungen baut er daher aus. Nimmt kleinere Mengen Traubengut von Privaten in Obhut, vinifiziert dieses und liefert die fertig konfektionierten Weinflaschen wieder zurück an den Winzer.
 
   
Dafür hat er die Fläche an gepachteten Reben reduziert, als ein Pachtvertrag auslief. Dieser Entscheidung wurde auch der Räuschling geopfert - leiderleider...
Aber mit knapp 3 Hektaren Reben sind es auch so sehr viele, tragende Rebsorten - und dazu spannende Neupflanzungen. Nur konsequent und intelligent, die eigenen Kräfte zu bündeln.
Ewig wachsen wollen bedeutet auch ewig Stress haben. Ist weder biologisch noch nachhaltig. Darin sind unsere Weltsichten deckungsgleich.
 
   
Einen Querschnitt der Jungweine haben wir degustieren können. Immer etwas schwierig für uns, die sich mit fertigem Wein besser auskennen. Da fehlen uns oft spezifische Erfahrungswerte, um das Endprodukt und sein Potential richtig einschätzen zu können.
Auffallend sauber mit ansprechender Frucht aber sind alle Jungweine hier. Nichts Anrüchiges, nichts Schwefliges, nichts was nach Lüften verlangt.
 
   
Einiges über Eichen-, Akazien- und Lärchenholz gehört - und über verschiedene Toastgrade diskutieren können. Nichts dem Zufall überlassen. Alle Holztönungen in Peters Weinen sind diskret, wirken nie aufgesetzt.
Sind wir da wirklich im Zürcher Unterland?
 
   
Peter zeigt uns anschliessend beim Kafi ein paar Fotos vom experimentellen Rebjahr 13: Natur-Wuchs! Und nur gute Erfahrungen gemacht. Weniger Stress für Mensch und Rebe.
Natürliche Wachstumsregulierung, die sich in den nächsten Jahren weiter einpendeln wird, ist Stucki überzeugt.
Ein völlig ungewohntes Bild, für Fachleute wahrscheinlich der blanke Horror - doch selten habe ich eine andere Weingeschichte und Suche so spannend empfunden. Extensive Landwirtschaft...
Mehr Infos zur revolutionierenden Rebbaumethode findet sich auf www.stuckiwein.ch (von der auch dieses Foto entlehnt ist).
Bis anhin waren Stuckis Weine Bio- und Demeterzertifiziert. Nun hat Peter auch den Label-Koller gepackt, "unsinnige Bürokratie", sagt er und wird ab Ernte 2013 auf Demeter-Zeichen verzichten - ohne im Anbau etwas zu ändern - "ich mache ja eh schon mehr als verlangt"

Herzlichen Dank Peter, für den lehrreichen Nachmittag - und: Gutes Gelingen!
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